Indien

Mai - Juni 2018

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Delhi

Nach sechs Stunden Flug mit der indischen Fluggesellschaft Jet Airways, wo wir die einzigen Nicht-Inder waren, sind wir im heißen Delhi angekommen. Raus aus dem Flugzeug fühlte es sich an, als würde uns jemand einen Haarfön ins Gesicht halten. Einfach nur heiß, zum Glück mit aber tiefer Luftfeuchtigkeit.

Unser Hotel hat einen Fahrer geschickt, welcher uns gleich dahin brachte. Was wir beim buchen wohl nicht beachtet haben, dass dieses sich im alten Delhi befand. Die Gegend ist eher laut und es wurde uns geraten abends eher nicht raus zu gehen.
Da es aber noch hell war, liefen wir zum „Red Fort“ welches sich bei uns in der Nähe befand.

Es vergingen keine 10 Minuten und schon wurden wir angefragt, ob man ein Foto mit uns machen darf. Noch bisschen verwirrt, stimmten wir zu.
Wir liefen weiter bis zu einem Platz vor dem „Fort“ und auch da wurden wir dann mehrfach angefragt. Schlussendlich wurde es uns zu viel und wir versuchten irgendwie weg zu kommen ☺.

So sind wir bis zur „Jama Masjid“ Moschee gelaufen, der größte Moschee Indiens. Ein sehr beeindruckendes Gebäude. Da es jedoch schon spät war, war es für Touristen bereits geschlossen. Trotzdem war das Treiben rundherum sehr spannend.

Es war Mitten im Ramadan und die Gläubigen bereiteten grad das Essen vor, welches sie nach Sonnenuntergang essen konnten. Leider war grad alles bisschen hektisch und die Stimmung leicht aggressiv, so dass wir uns auf den Rückweg zum Hotel machten.

Damit wir die Moschee auch von innen besichtigen konnten, gingen wir uns am nächsten Tag in der Früh gleich nochmal dahin. Die Moschee befand sich in Laufnähe unseres Hotels und so waren wir fast die ersten Touristen. Wir kamen von der Hauptseite rein.

Nirgends hatten wir gelesen, dass es Eintritt kostet, da hat plötzlich ein ältere Herr was von uns verlangt (300 IRN p.P. / ca. 4,20 EUR). Wir wollten nicht bezahlen , doch später erwies sich dies als korrekt, da wir den Zettel, den wir noch von ihm kriegten, öfters mal zeigen mussten. Von einem jungen indischen Touristen, der uns drin ein Stück begleitete, erfuhren wir, dass dies relativ neu ist und der Preis anscheinend schon erhöht wurde.

Wie es so in Moscheen ist, müssen die Frauen relativ verhüllt sein. Obwohl ich lange Hosen, ein T-Shirt und Schal hatte, reichte dies wohl nicht und ich erhielt einen Umhang. Da aktuell grad täglich um die 45 Grad herrschten und dieser Umhang wohl nicht gewaschen wird, war es definitiv ein “duftes” Erlebnis.

Die Moschee ist wunderschön uns absolut sehenswert. Der Boden war leider sehr heiss und die Plätze im Schatten auch so sehr begehrt. 

Vom Turm der Moschee (welcher leider nicht im Eintrittspreis inbegriffen ist: 100 IRN p.P. / ca. 1,40 EUR) hat man eine schöne Aussicht auf den Innenhof und bisschen die Stadt. Es geht eine sehr enge Wendeltreppe hoch und oben ist nicht wirklich viel Platz. Mit uns waren nur sechs andere Leute oben, viel mehr hätten auch nicht Platz gehabt.

Andersrum wie am ersten Tag, gingen wir heute nach der Moschee noch zum „Red Fort – Lal Qila”, da sich der Eingang weiter hinten befindet. Dies ist eine beeindruckende Festungs- und Palastanlage aus dem 17. Jahrhundert, welche seit 2007 zum UNESCO Weltkulturerbe gehört.
Wir stellten uns mit allen Leuten in die Schlange und waren dann bei der Kasse ziemlich erstaunt über die Preise. Der Eintritt (500 IRN p.P. / ca. 6,90 EUR) für ausländische Besucher ist mehr als 10x so teuer wie für Einheimische. Ich verstehe, dass die Touristen mehr bezahlen sollen, doch um ein so Vielfaches waren wir dann doch erstaunt.

Nichtsdestotrotz ist die Anlage wunderschön und wir genossen einen ruhigen Vormittag da, weil noch nicht so viele Leute drin waren.

Auch hier wurden wir wieder oft wegen Fotos angefragt. Eine Gruppe Jugendlicher war besonders angetan und wollte gar nicht aufhören mit Sebastian Fotos zu machen. So machten die Jungs dann ein gemeinsames Gruppenbild.

Da es zum Mittag sehr heiß wurde, entschieden wir uns zurück zum Hotel zu fahren und da Mittag zu essen. Bereits am Vorabend haben wir den “Room-Service” genutzt. Das Essen war super lecker und absolut preiswert, so assen wir auch wieder im schön dunklen und gekühlten Hotelzimmer.

Nach einer kleinen Pause von der Hitze fuhren mit einem Uber wir zum ehemaligen Stadtbrunnen, einem ins Erdreich versenktes Brunnenbauwerk namens „Agrasen Ki Baoli“. Obwohl es zu den Sehenswürdigkeiten gehört, wusste der Uberfahrer nicht wo anhalten muss, bzw. meinte wir sind nicht richtig. Sind dann rumgefahren und er liess uns irgendwo raus. Mit Nachfragen und irgendwie schafften wir es dann doch noch zum Brunnen und wir sahen, dass wir gut zweimal am Eingang vorbeigefahren sind ☺.
Vermutlich stammt der Brunnen aus dem 15. oder 16. Jahrhundert und speicherte im Sommer das Regenwasser unter anderem für die Landwirtschaft und die die Tiere.
Heutzutage ist es ein wunderschöner Fotospot. Geht man runter und schaut sich den Brunnenboden genau an, ist es nicht mehr so appetitlich.

Beim Brunnen waren wir nicht sehr lange und so ging es anschließend weiter zum Sikh Tempel “Gurudwara Bangla Sahib”. Diesen Tempel haben wir bei der Hinfahrt vom Flughafen gesehen und wollten ihn unbedingt besichtigen.
Gleich beim Eingang wurden wir von einem Sikh begrüßt und gefragt, ob wir schon mal in einem Tempel waren. Nachdem wir die Frage verneint haben, meinte er, er kann es uns erklären. Wir dachten, er erzählt uns ein bisschen was, vor allem bezüglich Schuhen und Kleidung, da dies in Tempeln ja immer verschieden ist.
Da hier Frauen und auch die Männer eine Kopfbedeckung tragen müssen, kriegte Sebastian als erstes einen Turban umgebunden, ich hatte zum Glück meine Schal dabei. Denn anders als im Hinduismus werden hier Frauen und Männer genau gleich und gleichberechtigt behandelt.

Nach dem wir mit dem Sikh die Hände und Füße gewaschen haben, dachten wir, er lässt und jetzt und wir können in den Tempel. Er begleitete uns jedoch und führte uns quasi durch.

Sehr spannend und interessant was er uns alles erzählte. Im Tempel selber sitzen immer drei Männer die ununterbrochen (im Schichtwechsel) Meditationsmusik zum Gebet spiele. Den Tempel darf man nur im Uhrzeigersinn durchlaufen und niemals dem Priester den Rücken zuwenden.

Unterwegs trafen wir noch auf drei Frauen, die sich unserer spontanen Führung anschlossen.
Eine Besonderheit in Sikh Tempeln ist, dass gratis Essen verteilt wird. Wie er uns erklärte, passiert hier alles auf Freiwilligen Arbeit und Spenden. Leute die in der Küche sind, arbeiten normalerweise oft eigentlich woanders und kommen hier einfach helfen.
Es wird täglich das gleiche gekocht und es dürfen Menschen aller Klassen, Religionen etc. kommen.

Er führte uns durch die Küche und zeigte uns alles. Am Schluss durften (oder mussten? ) wir auch mit anpacken und haben sogar noch eine Portion zum Probieren erhalten, war sehr lecker.

Da wir zum Sonnenuntergang Richtung India Gate wollten, verabschiedeten wir uns dann langsam. Er meinte, er begleite uns noch. Obwohl er die ganze Zeit sagte, auch er mache dies freiwillig und alles koste nichts, meinte er plötzlich, wir könnten ja eine kleine Spende da lassen. Diese würde dann über das Büro in die Küche kommen, wo sie wiederum Essen kaufen konnten. Wir ließen natürlich eine kleine Spende da, denken aber, dass diese eher in seiner Hosentasche gelandet ist, da er sie von uns wollte, bevor wir die Schuhe im Büro abholten. Wie dem auch sei, die Führung war sehr spannend und so hatte auch er was davon.

Netterweise verhandelte er dann noch ein Tuktuk für uns, welches uns zum India Gate brachte. Dieses war jedoch nicht weit und für so kurze Strecken hatten wir sonst eigentlich, wenn wir selber verhandelt haben, weniger bezahlt.

Das India Gate ist ein Triumphbogen, gebaut nach dem “Arc de Triomphe” in Paris und soll an die gefallenen Soldaten der britischen Kolonie in Indien des 1. Weltkrieges erinnern. Auch hier waren wieder viele Leute und die indischen Schulferien machten sich bemerkbar.

Wir kamen für gut fünf Minuten unerkannt durch, bis die ersten wegen eines Fotos fragten. Wir konnten uns dann schnell lösen und wollten uns unweit des Torbogens erholen und warten bis die Sonne bisschen tiefer stand. Leider hat uns eine kleine Gruppe entdeckt und wir durften wieder für Fotos posieren. Leider sahen das noch weitere und kurze Zeit später hat sich tatsächlich eine Schlange von gut zehn Indern gebildet (!!) um Fotos mit uns zu machen.
Während der Fotosession versuchte noch ein kleines Mädchen uns Armreifen zu verkaufen, sie wurde zwar immer wieder weggeschickt, blieb jedoch hartnäckig. Irgendwann wurde es uns dann aber zu viel und wir flüchteten regelrecht in den Park der da India Gate und den Regierungspalast neben der Straße verbindet. Unterwegs sind wir dann tatsächlich noch das kleine Mädchen losgeworden.

Als wir uns endlich in Ruhe im Park hinsetzen konnte, kam ein weiteres kleines Mädchen. Da wir dies nicht unterstützen wollen, dass kleine Kinder zum Verkauf gezwungen werden, haben wir auch ihr nichts abgekauft. Die Mädels sind aber hartnäckig, sie legte mir die Sachen immer wieder in die Hand und in den Schoß. Eine Inderin beobachtete die Szene und “rettete” uns vor dem kleinen Mädchen. Da sie so gut wie kein Englisch sprach, verständigten wir uns mit Händen und Füßen mit ihr. Sie lud uns ein, mit ihr und ihrem Mann bisschen weiter hinten hin zu setzen, wo wir uns ein bisschen mit ihnen “unterhielten”.

Kurz bevor die Sonne im Smog verschwunden ist, machten wir uns auf den Weg Richtung Regierungspalast. Eigentlich wunderschön dieser Anblick der Sonne, doch traurig, wenn man bedenkt, dass es nur wegen dem Smog so “milchig” ist.

Da in Indien die meisten Sehenswürdigkeiten erst gegen 9.30 Uhr öffnen, mussten wir nie früh ausstehen und waren trotzdem oft die ersten vor Ort. Am nächsten Tag ging als erstes zum “Humayun-Mausoleum”(500 IRN p.P. / ca. 6,90 EUR). Diese Grabstätte des zweiten Herrschers “Humayun” des Großmogulreichs Indien, wurde von seiner Frau um 1560 rum gebaut und ist seit 1993 auch eine Weltkulturerbestätte der UNESCO. Das Mausoleum diente später als Vorbild zum Bau des Taj Mahals in Agra.

Im Mausoleum drin darf nicht fotografiert werden. Wirklich viel als sein Grab in der Mitte sieht man jedoch nicht, bzw. ist da nicht drin. In den Nebenräumen sind noch andere Gräber der Familie.
Es hat uns jedoch mal wieder beeindruckt, wie viel Platz es eigentlich gäbe, wenn man bedenkt, wie die Menschen auf den Straßen leben.
Die Anlage ist wunderschön und man merkt, dass viel investiert und gemacht wird. Neben dem großen Mausoleum stehen noch zwei weitere kleinere, leider etwas heruntergekommene, Grabstätten. Eine ist anscheinend vom Friseur.

Beim Eingang rechts, fast versteckt, gibt es nochmal eine kleine Grabstätte von “Isa Khan”, welche noch vor dem Mausoleum von “Humayun” erbaut wurde. Gleich daneben befindet sich auch die Isa-Khan-Moschee.
Dies ist eine kleinere, aber nicht weniger beeindruckende Anlage, sofern man nicht auf die Mauer, die rundherum geht, steigt und den Müll dahinter sieht.

Wohl noch nicht genug Gräber gesehen, fuhren wir mit einem Tuktuk zu den Lodhi-Gärten. Dies ist eine ziemlich große Gartenanlage mit mehreren Mausoleen und Moscheen. Die Bauten sind teilweise in nicht wirklich gutem Zustand. Trotzdem beeindrucken, wenn man bedenkt, dass die meisten zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert entstanden sind.  Mittlerweile wird der Park von den Indern gerne für Spaziergänge und einfach als ruhiger Treffpunkt genutzt.

Obwohl wir am Vorabend in der Nähe (India-Gate) waren, haben wir es da zeitlich nicht geschafft, die älteste Festungsanlage Delhis zu besuchen, da diese bereits um 17 Uhr schließt. So fuhren wir also mal wieder mit einem Tuktuk Richtung India-Gate zur “Purana Qila”.
Wie das “Red Fort” ist auch diese Anlage sehr beeindruckend. Der Eintrittspreis (200 IRN p.P. / ca. 2,80 EUR) war aktuell bisschen tiefer, da sich gerade viel im Umbau befindet. Der Preis ist natürlich nicht hoch, jedoch ist uns auch hier wieder aufgefallen, dass Einheimische um ein Vielfaches weniger bezahlen.

Die Anlage echt riesig und auch hier aufgrund der Ferienzeit einiges los. Wir sahen viele Familien, die sich auch auf der Wiese hingelegt haben und ein picknickten.

Wir liefen bis zur “Qila-i-Kuhna-Moschee” wo es mal wieder nicht lange dauerte, bis wir wegen Fotos angesprochen wurden ☺. Ein nettes junges, zuerst sehr schüchternes Pärchen, welches uns schon länger verfolgt hatte wollte Fotos mit uns und kriegte gar nicht genug. Wenn wir es richtig verstanden hatten, war es ihr erster richtiger Urlaub, den sie gleich in der Hauptstadt verbrachten.

Bevor wir zum Mittagessen wieder Richtung Hotel fuhren, hielten wir noch bei einem wichtigen Monument an, beim Raj Ghat Garten und dem Grabmahl von Mahatma Ghandi.
Er wurde eingeäschert und unter der schwarzen Granitplatte vergraben. Der Ort ist für viele eine Pilgerstätte zu Ehren des “Vaters der Nation”.
Um zur Gedenkstätte zu gelangen, muss man die Schuhe ausziehen. Naja, bei dieser Hitze wo die meisten auch noch geschlossene Schuhe anhatten, schwebte ein doch spezieller Duft beim Eingang. Der Boden war sehr heiß und auch die Matten nützten nicht ganz so viel. Deswegen liefen wir nur kurz hin, schauten es uns an und konnten an der anderen Seite wieder raus, da wir die Schuhe mitgenommen und nicht dagelassen haben.

Am Abend gingen wir nochmal los und wollten zum “Spice Market” in Alt Delhi. Da uns am ersten Tag alle gefragt haben, ob wir dahin wollen, dachten wir es sollte nicht schwierig werden. Irgendwas scheint aber geschehen zu sein, denn an dem Tag wusste plötzlich kein Tuktuk Fahrer wo dies ist. Waren wir zu spät dran, da bald die Sonne unterging (Ramadan)?
Nach längerer Suche fanden wir einen, der halbwegs zu wissen schien, wohin wir wollen. Er fuhr uns in die Richtung, ließ uns aber leider zu früh raus, so dass wir uns zu Fuß noch durchfragen mussten, denn Englisch können in diesem Teil nicht viele. Bzw. was verkaufen können sie, aber den Weg erklären war schwierig. Wir haben es dann doch noch gefunden, eigentlich muss man nur der Nase nach. Wahnsinn welche Düfte einem da entgegenschlagen.
Wir liefen ein bisschen rum und fragten uns abermals durch, wo das bekannte Rooftop ist. Als uns der Weg gezeigt wurde, wollten wir nicht wirklich glauben, dass wir da hoch müssen. Es sah eher verlassen und unscheinbar aus. Nach einem zweiten Frageversuch wurden wir wieder dahin geschickt und liefen dann hoch. Tatsächlich kommt man so auf das mittlerweile “berühmte” Dach eines Hauses, wo man eine schöne Aussicht hat. Wir waren auch hier mal wieder nicht die einzigen Touristen. Trotzdem nimmt es mich manchmal Wunder, wie solche Spots eigentlich gefunden werden.

Da die Sonne mittlerweile unten war, war es nicht wirklich einfach jemanden zu finden, der uns zurück zum Hotel brachte. So schlängelten wir uns zwischen Mofas, Autos, Hunden, Kühen und vielem mehr einen großen Teil des Weges Richtung Hotel. Definitiv eine spannende Erfahrung.

Jaipur

Am nächsten Tag verließen wir die Hauptstadt mit dem Zug Richtung Jaipur. Wir wussten, dass Jaipur eigentlich nicht weit weg ist, gemäß unserem Reiseplan sollte die Fahrt jedoch acht Stunden dauern. Aus diesem Grund haben wir am Vortag noch genügen Wasser und Proviant für die Reise eingekauft.
Im Hotel sagte man uns, wir sollen rechtzeitig am Bahnhof sein, da er groß ist und man sich nicht immer so einfach zurechtfindet. Groß ist der Bahnhof schon, aber wirklich schwierig war es nicht. So standen wir fast eine halbe Stunde vor Abfahrt (welche um 6.05 war) am Gleis und warteten. Da doch noch ein paar “komische” Gestalten herumliefen, stellten wir uns in die Nähe einer Polizeitruppe, wo wir uns sicherer fühlten. Naja, schön gedacht. Kurze Zeit später setzte sich die Gruppe in Bewegung und wir sahen, dass es ein Gefangenentransport war. Ein junger Mann war mit Hand- und Fußketten jeweils an einen Polizisten gekettet.
Wir blieben jedoch an unserem Platz und warteten weiter. Langsam fanden wir es komisch, denn der Zug der vorher fahren sollte stand noch da. Wir fragten zweimal, wurden aber scheinbar nicht richtig verstanden. Fünf Minuten bevor der Zug dann fahren sollte, hatten wir ein komisches Bauchgefühl und fragten nochmal. Plötzlich hieß es, dass unser Zug doch auf dem Gleis gegenüber und weiter vorne fährt. Also alles gepackt und schnell nach vorne. Kurz nachdem wir eingestiegen sind, ist der Zug dann auch schon losgefahren. Puh, nochmal Glück gehabt.
Wir haben reservierte Sitze im klimatisierten Abteil gebucht und es sah so weit alles ganz gut aus. Die Sitze waren bequem und auch so war alles ganz oke.
Kurz nachdem wir losgefahren sind, kam auch schon ein Zugbegleiter und verteile große Wasserflaschen. Nicht viel später gab es sogar ein kleines, warmes Essen und dann nochmal Toast und Kaffee, Tee. Hätten wir das gewusst, hätten wir nicht so viel Essen eingekauft. Denn auch die Fahrt dauerte nicht wie angenommen acht, sondern nur knappe fünf Stunden.

     

So waren wir kurz vor Mittag in Jaipur. Am Bahnhof kommen den aussteigenden Gästen gleich Scharen von Taxifahrern und Hotelanbietern entgegen. Eine Unterkunft hatten wir schon und auf Rat vieler gingen wir zuerst aus dem Gebäude raus.
Draußen wurden wir dann von einem netten jungen Fahrer angesprochen. Er führte uns zu seinem Auto und wir waren mal gespannt, wie unser Gepäck und wir da Platz haben sollten. Einer der großen Rucksäcke musste vorne hin und der Bruder fuhr uns dann leicht gequetscht zu unserem Hotel. Er fragte uns, ob wir schon viele Pläne hatten und was wir uns anschauen wollen. Wir sagten nicht viel und ließen ihn reden. Er erzählte ganz nett und fragte uns, ob wir ihn für den nächsten Tag als Fahrer wollen, er würde uns die Stadt zeigen. Wir dachten wieso nicht, viele machen das so und somit bestätigten wir ihm den nächsten Tag.

Da wir im hektischen Delhi ein ziemliches Programm absolviert haben, genossen wir den Rest des Nachmittages am Hotel Pool und machten einen Plan für die zwei Tage, die wir in Jaipur hatten.

Pünktlich um 9 Uhr stand dann wie abgemacht der Fahrer beim Hotel. Es war wieder der jüngere Bruder, welcher uns beim Bahnhof angesprochen hatte. Fand eigentlich den anderen netter.
Er holte uns mit seinem Tuktuk und einem Beifahrer, seinem “Bodyguard”, ab. Zuerst noch ab dem Witz gelacht, wussten wir bald wieso. Die Batterie des Tuktuk war schwach und musste zum Start jeweils angeschoben werden. Immerhin mussten wir dies nicht tun. Zu dritt hinten im Tuktuk war es dann aber doch etwas eng.
Gleich zu Beginn wollte er gleich wissen, was wir denn sehen wollen. Wir erzählten ihm unseren Plan und merkten schnell, dass sein Blick komisch wurde. Er fragte uns dann, ob er uns Tipps geben dürfte, schließlich sei er einer der besten Guides in Jaipur und zeigte uns sein Buch mit verschiedenen Bewertungen von Gästen. Wir ließen uns teilweise auf die Tipps ein.

So oder so ging es als erstes zum “Hawa Mahal”, dem Windpalast. Dieser befindet sich an einer ziemlich dicht befahrenen Straße und ist zuerst eher unscheinbar. Er meinte wir sollen schnell Fotos machen und wieder weiter. Trotzdem gingen wir schnell in ein Café gegenüber wo man schöne Fotos von oben machen kann.

Ursprünglich wollten wir noch kurz rein, der Fahrer meinte jedoch drin sei nichts Besonderes. Auf Bloggs kann man verschiedenes lesen, aber anscheinend ist die Außenwand tatsächlich das Highlight. Die vielen Fenster des Palastes dienten den Haremfrauen dazu, das Geschehen auf der Straße zu verfolgen, ohne selber gesehen zu werden. Weiter waren die Fenster aber auch dazu da, damit die Luft ein wenig zirkulieren konnte und somit kühlen konnte, woher der Palast seinen Namen hat.

Als nächstes fuhr er uns weiter durch die Altstadt, welche auch als die pinke Stadt bekannt ist, da viele Gebäude pink, bzw. eher rosa-orange angemalt sind. Diese wurden 1876 so gestrichen, weil Kronprinz Albert Eduard (Prinz von Wales) damals Jaipur besuchte und in Rajasthan (indischer Bundesstaat wo Jaipur liegt) diese Farbe traditionell für die Gastfreundschaft steht.

Nach einer halben Ewigkeit kamen wir fast am Ende der Stadt beim „Gatore Ki Chhatri Yan“ (Eintritt 30 INR p.P. / ca. 0,40 EUR) an. Diesen Ort hatten wir gar nicht auf dem Schirm, war aber wunderschön. Es sind diverse Grabmale und kleine Tempel diverser Königsfamilien von Jaipur.

Trotz der Hitze mühten wir uns die Treppen hoch, da der Fahrer meinte, dass man von da super runterschauen konnte. War auf jeden Fall die “Qual” wert ☺, auch wenn wir nicht bis ganz hoch gegangen sind.

Wieder beim Tuktuk sollte ich mir beim Kiosk daneben ein Henna Tattoo auf die Hände malen lassen. Die Frau sei die Beste in der Gegend und alle lassen sich die Hände und Füße bei ihr bemalen. Da ich schon mal schlechte Erfahrung mit einem Henna Tattoo hatte, wollte ich nicht. Es war nicht ganz einfach ihn davon zu überzeugen, aber wir schafften es dann mal und fuhren tatsächlich weiter.

Entgegen unserem Plan landeten wir dann beim Wassertempel “Jal Mahal”. Dies hatten wir für den zweiten Tag geplant, aber wenn wir schon hier waren, schauten wir ihn uns an. Viel machen kann man da nicht, da der Palast auf dem See liegt und der Eintritt verboten ist.

Die schönste Zeit um sich diesen Palast anzuschauen ist eigentlich abends, wenn das Licht der untergehenden Sonne auf ihn scheint. Bei vollem Tageslicht war er irgendwie nicht ganz so beeindruckend, wie wir es gesehen haben.
Auch die Promenade hat es mit ihren kleinen Statuen in sich und schaut ganz schön aus. Was eher störend ist, sind die vielen Verkäufer die einen keine Sekunde in Ruhe lassen.

Ohne groß was zu sagen fuhren wir weiter. Erst auf Nachfrage sagte er uns, dass wir nun zum “Amber Fort” fahren. Da es noch nicht mal 11 Uhr war, waren wir bisschen erstaunt, dass wir auf dem Weg dahin waren, wo wir ihm doch zu Beginn mehrfach und ausdrücklich gesagt haben, dass wir erst zum Sonnenuntergang dahin wollen.

Da wir dann aber nun schon mal da waren, gingen wir hoch. Als erstes liefen wir auf die linke Seite Richtung der anderen Festungsanlage „Jaigarh Fort“. Sehr beeindruckend.

Von „Jaigarh Fort“ hatten wir davor nicht viel gelesen. Zurück im Hotel haben wir dies nachträglich gemacht und gemerkt, dass sich dies wohl gelohnt hätte, da sie noch nicht so bekannt und überfüllt ist wie “Amber Fort”. Auch unser Guide hatte dazu leider nichts gesagt, schade.
Doch war es leider zu heiß um ganz nach oben zu laufen, dass wir dann “obenrum” zum “Amber Fort” gingen.

So standen wir dann aber beim Eingang wo sich eine ziemlich lange Schlange gebildet hatte, denn auch hier machten sich die Schulferien bemerkbar. So beschlossen wir, wieder zum Tuktuk zu laufen und ihn zu überzeugen, dass wir lieber am frühen Abend nochmal hinfahren.

Als wir da waren, meinte er wir können vor dem Mittagessen noch “schnell” beim “Elephant Village”, ganz in der Nähe, vorbeischauen. Dies hatte er schon öfters erwähnt und eigentlich wollten wir nicht, er “überzeugte” uns dann und wir fuhren hin. Wirklich nah war es dann aber doch nicht.
Bei der Hinfahrt redete er über Karma und fragte uns auch, ob wir dran glauben.
Schon als wir da waren gefiel uns der Anblick der Elefanten nicht wirklich. Wir mussten in eine Hütte und der Wärter, bzw. Besitzer erklärte uns, dass dies aus dem Zoo gerettete Elefanten seien. Früher hatten sie elf Elefanten, heute haben sie nur noch zwei, da sie zu wenig Geld für die Nahrung und den Unterhalt. Aus diesem Grund könnte man für 2500 INR (ca. 35 EUR) die Elefanten füttern, sie bemalen, auf ihnen reiten und etwas für das persönliche Karma tun, alles klar. Mit dem Geld könnten sie Futter kaufen und sie retten. Wir haben uns nicht wirklich drauf eingelassen und auch gesagt, dass Elefantenreiten nicht wirklich gut für den Elefanten ist. Wie auch immer, nach einiger Diskussion sind wir ohne zu bezahlen und zum Glück auch heil wieder rausgekommen.
Das Ganze schaute eher aus wie eine Touristenfalle und wollten uns dies auf keinen Fall antun. Die Elefanten sahen nicht wirklich glücklich aus und dies wollten wir keinesfalls unterstützen.
Unser Fahrer war mässig begeistert, den anscheinend ist das ein Kumpel von (was auch sonst) und ihm selber ist wohl eine große Provision durch die Lappen. Bislang waren wir wohl ein schlechter Fang für ihn.
Elefantenreiten können wir definitiv nicht unterstützen und wenn man sich das auch mal anschaut, sieht man, dass es den Tieren da nicht wirklich gut geht. Wieso auch immer man diese Tiere anmalen muss, ist uns auch ein Rätsel.

Also fuhren wir wieder zurück in die Altstadt zum Mittagessen. Langsam waren wir auch genervt von seinen Geschichten, wo er sich selber immer wieder verstrickte und Sachen erzählten, die gar nicht sein konnten. War er nun drei Tage lang im Ausland, oder hat er vor zwei Tagen gesehen, wie die Batterie in seinem Tuktuk geklaut wurde. Wohnte seine Freundin in Spanien oder Japan? Wir dachten er hätte nur eine…?

Es führte uns in ein Restaurant, in welches wir wohl selber nicht gegangen wären und hofften, dass wir es vertragen. Das Essen war dann aber sehr lecker und unsere Mägen scheinen stark zu sein. Obwohl er meinte, dass wir auf jeden Fall getrennte Rechnung machen, war unser Betrag erstaunlich hoch. Wir ließen es aber sein, da es verhältnismäßig sehr günstig war.

Ursprünglich wäre der Plan gewesen den Hindu Tempel “Birla Mandir” zu besuchen. Unser Guide meinte jedoch, dieser sei nur in der Früh offen und wir können jetzt nicht hin. Natürlich haben wir später gelesen, dass dem nicht so ist. Ob es war, weil er selber Moslem war, wissen wir nicht.

Da unser Plan somit sowieso schon dahin war, war unsere Laune auch eher mässig. Eigentlich wollten wir zurück ins Hotel, so dass er uns später wieder abholt wegen “Amber Fort” zum Sonnenuntergang, wie ursprünglich abgemacht. Er meinte aber, er will uns noch gerne zu drei Märkten fahren, die viel besser sind als die Touristischen, da hier wirklich alles von Hand gemacht ist.
Irgendwie Lust hatten wir nicht, ließen uns dann aber doch mal hinfahren, da es noch sehr früh war. Zuerst ging es zum Textilmarkt, wo man uns die “Fabrik” zeigte, wo die Stoffe hergestellt, gefärbt (natürlich nur natürliche Farben, ganz ohne Chemie) und schlussendlich genäht werden. Wir sahen etwa 10 Leute auf engstem Raum die Hosen und ähnliches nähten.
Kurze Zeit später fanden wir uns im Verkaufsraum wieder wo es Unmengen an Stoffen, Teppichen, Röcken, Kleidern, Hosen und vielem, vielem mehr gab. Wenn also alles handgemacht ist, müssen irgendwo in einem tiefen Keller mindestens 50 weitere Näher sitzen und 24 Stunden arbeiten. “Handgemacht” schien uns nicht wirklich viel und nach ein bisschen umschauen konnten wir uns wieder davonschleichen. Draußen wollte uns der Fahrer dann gleich zu den zwei weiteren Märkten fahren, wir konnten ihn aber davon überzeugen, dass wir zu müde von der Hitze waren und nun lieber ins Hotel zurückwollen. Enttäuscht, dass wir den ganzen Tag nichts gekauft haben, fuhr er uns tatsächlich zurück. Während der Fahrt meinte er dann plötzlich, dass es nicht im Tarif inbegriffen und üblich sei, dass er Leute dann wieder abhole und irgendwo hinfahre. Was am Nachmittag noch möglich gewesen wäre, war nun nicht mehr so.
Wir waren schlussendlich nur froh, dass wir im Hotel sind und nicht noch mehr Angebote abwinken mussten.

Erschöpft vom Tag blieben wir dann den ganzen Nachmittag doch im Hotel und fuhren auch nicht mehr nochmal zum “Amber Fort” hoch, sondern genossen einen ruhigen Nachmittag am Pool.

Bisschen verärgert, doch froh, dass wir am nächsten Tag “frei” waren, fuhren wir mal wieder mit Uber zum “Circle Garden”. Dieser befindet sich im Süden von Jaipur und ist eigentlich einfach ein riesiger Kreisel, wo sich ein Garten in der Mitte befindet. Das Eingangstor dazu ist schon sehr beeindruckend und das Innere einfach nur WOW.

Nach diesem wunderschönen Tor und schönen Garten fuhren wir zu einem Highlight von Jaipur, zum City Palast, dem Zuhause der Königsfamilie von Jaipur. Diese Königsfamilie von Jaipur ist eine der reichsten ganz Indiens. Bis 1970 durfte der Maharadscha einiges mitentscheiden, danach wurden sämtliche Privilegien abgeschafft. Den Titel “König” gibt es aus traditioneller Sicht immer noch. Der aktuelle König ist 19 Jahre alt und der Enkel des 2011 letzten “wirklichen” Königs. Da dieser keinen Sohn hatte, adoptierte er seinen ältesten Enkel und machte ihn so später zum König.

Es gibt zwei verschiedene Tour die man hier machen kann. Eine “kleine” Tour (Eintritt 500 INR p.P. / ca. 6,90 EUR), wo man ins Gelände und ins Museum kann oder die “große” (Eintritt 2´500 INR p.P. / ca. 32,70 EUR) bei welcher man einen Guide hat, der die Gäste auch in private Teile der Familie bringt, welche teilweise heute noch für Empfänge und Feiern genutzt werden. Wir entschieden uns für die große Tour, da wir von dieser sehr viel Gutes gehört haben. Hier gab es sogar eine Erfrischung inklusive.
Schon der Eingang ist eher exklusiv, mit “privat” angeschrieben und bewacht von einem älteren Herrn, der uns fast gezwungen hat, ihn zu fotografieren.

Der Palast ist wie die Stadt, mehrheitlich in rosa gehalten. Einzelne Teile sind jedoch in der alten Farbe Gelb erhalten, um sich abzuheben.

Als erstes ging es durch Räume, die man nicht fotografieren durfte. Wunderschöne, oft mit echtem Gold verzierte Türen und Tapeten.
Danach ging es hoch auf eine Terrasse, wo wir ein erstes Wasser erhielten.

Wir gingen weiter und kamen zum “goldenen” Raum, welcher von der Familie für Gebete und Zeremonien heute noch genutzt wird. Sehr beeindruckend und wunderschön. Wir durften sogar rein, uns hinsetzen und uns mal bisschen königlich fühlen☺.

Es ging noch weiter hoch und wir kamen zum mittlerweile wohl bekanntesten Raum, dem blauen Raum des Palastes. Dies wurde vor wenigen Jahren zum Instagram Spot und zieht deshalb auch viele Touristen an. Muss sagen, er ist wirklich wunderschön und sehr beeindruckend.

Nach einem Abstecher ganz oben auf der Dachterrasse, wo die Sonne richtig runter brannte, ging es wieder auf die mittlere Terrasse wo wir noch ein Getränk erhielten, bevor die Tour zu Ende war.
Es war auf jeden Fall ein Besuch wert und sehr interessant. Unser Guide arbeitet schon länger für die Königsfamilie und konnte uns sehr viel erzählen.

Am Schluss wollten wir noch kurz ins Museum reinschauen, es wurde uns aber gesagt, dass wir dann das kleine Ticket extra kaufen müssen, also ließen wir es sein.

Im Innenhof sahen wir viele Kinder, welche hier die Ferienzeit und das Angebot der Königsfamilie nutzten, um an diversen Workshops teilzunehmen. Wir sahen eine Tanzgruppe, eine Mal- und Handwerksstatt. Die Prinzessin (Mutter des Königs), setzt sich anscheinend sehr für die Leute ein und hilft vor allem für Frauen ein, damit diese einen gut bezahlten Job kriegen.

Nach der Besichtigung des Palastes fuhren wir zum Affentempel, bzw. zum Tor wo wir dachten, dass er ist. Online haben wir, obwohl es eine Sehenswürdigkeit sein soll, nicht viel dazu gefunden. Der Tuktuk Fahrer ließ uns irgendwie bei einem Bauernhof raus und meinte da oben ist es. Unten stürmten gleich Leute zu uns, die uns Fressen für die Affen verkaufen wollten oder sich uns als Guide anboten. Mittlerweile waren wir schon abgehärtet, verneinten dankend und liefen weiter.
Wir liefen hoch und kamen zu einem kleinen Dorf. Unterwegs kam uns ein Auto entgegen, welches uns bestätigte, dass der Affentempel da sein müsste. Oben trafen wir auf zwei verzweifelte Touristen, die wohl den Sonnentempel gefunden haben, nicht aber den Affentempel und wegen der Hitze nun aufgegeben hatten und wieder runterliefen.
Wir gingen noch über den Hügel und sahen, dass dann unten tatsächlich etwas war. Trotz der Hitze liefen wir runter, denn wir sahen, dass unten auch Busse standen und man somit auch von da zurückfahren kann.
Auf dem Weg wurden wir von einem Priester in einen kleinen Tempel reingebeten. Er erklärte uns, dass dies der Tempel der Affen sei und bisschen was von der Religion. Weiter malte er uns den so bekannten Punkt auf die Stirn und band uns jeweils ein Bändchen um die Hand um uns zu “segnen” und gutes für die Zukunft zu wünschen. Soweit so gut und ganz nett. Als wir dann gehen wollten, meinte er wir können ja nicht raus ohne was zu spenden. Bisschen überrascht, aber eigentlich hätten wir es langsam wissen müssen, gaben wir ihm etwas. Anscheinend war es aber nicht genug, denn er wurde sauer und meinte wir müssen mehr bezahlen und hielt uns eine Note hin. Wir gingen trotzdem raus und hörten, wie er irgendwas rief und uns wohl verfluchte. Bislang haben wir davon aber zum Glück noch nichts gemerkt☺.

Wir liefen dann weiter, schauten uns den Tempel kurz an, fanden ihn aber nicht wirklich spektakulär, sondern eher heruntergekommen. In einem Becken mit grünem Wasser badeten sogar ein paar Inder. Schade, die Anlage könnte echt schön sein, wirkt aber sehr verwahrlost.

So gingen wir zum Ausgang und konnten nach langem Verhandeln einen Tuktuk Fahrer überzeugen uns nach Hause zu fahren. Der Weg von unten ist schon ziemlich weit, denn die Straße geht um den Berg herum und wir waren gute 45 Minuten unterwegs.

Nachdem wir uns wieder am Hotel Pool erholt haben, ging es am Abend als letztes zum “Nahargarh Fort”, wo man bei Sonnenuntergang einen wunderschönen Blick auf die Stadt hat. Das Gelände hat sozusagen zwei Öffnungszeiten. Einmal für den Tag, wo man auch in die Anlage rein kann, und die zweite am Abend ab 17.30 Uhr, welche bisschen günstiger ist (Eintritt 200 INR p.P. inkl. Erfrischungsgetränk / ca. 2,80 EUR), für den Sonnenuntergang.
Dieses Fort ist etwas außerhalb der Stadt und man sollte auch wegen dem Verkehr genug Zeit einrechnen, damit man rechtzeitig oben ist. Haben wir dieses Mal zum Glück auch gemacht und hatten eine wunderschöne Aussicht, mit Smog, auf die Stadt, was es aber wiederum einzigartig macht.

Wir haben unseren Taxi Fahrer gebeten zu warten, da wir nicht lange da waren. Dies ist relativ üblich in Indien und bieten sogar viele auch an.

Die Tage in Jaipur waren sehr schön, wir haben wunderschöne Sachen gesehen und definitiv auch vieles gelernt.

Agra

Am nächsten Tag ging es, diesmal nicht ganz so früh, mit dem Zug nach Agra. Die Fahrt sollte bisschen kürzer sein als nach Jaipur und wir warteten entspannt auf den Zug. Doch auch hier gab es kurz vor Abfahrt eine Gleisänderung und wir mussten uns wieder beeilen, um den Zug zu erwischen. Hier ging es aber allen so und das Gedränge beim Einsteigen war entsprechend hoch. Dieser Zug war nicht ganz so komfortabel wie der letzte und wohl auch ein bisschen älter. Wir erhielten auch kein Wasser und Essen. Da wir sicherheitshalber aber Wasser dabeihatten, war es nicht so schlimm. Leider waren unsere Sitzplätze nicht nebeneinander, sondern hintereinander und so saßen wir jeweils am Fenster neben indischen Familien. Auch hier wieder aufgrund der Ferien mit vielen Kids. Diese waren ganz nett und freundlich.
Wir fuhren los und schon nach fünf Minuten wurde der Zug langsamer und hielt dann ganz an. Anscheinend ist eine Person unter die Gleise gekommen. Dies ist hier (leider) nicht so unüblich, da die ärmeren Menschen sehr nahe den Gleisen leben. Nach gut einer halben Stunde fuhren wir weiter.

Die Fahrt verging relativ schnell und kurz nach Mittag kamen wir in Agra an. Hier liefen wir zuerst ein bisschen raus aus dem Bahnhof um uns ein Taxi zu suchen. Das geht in Indien nie lange und wir fanden einen Taxifahrer. Als wir das Auto gesehen haben, waren wir froh, dass unser Hotel nicht so weit vom Bahnhof ist. So sind wir eher zum Hotel geklappert statt gefahren und haben ziemlich geschwitzt, da auch die Klima nicht funktioniert hat, und dies bei mindestens 45 Grad mittags.

Unser Hotel lag sehr nah beim Taj Mahal und somit entsprechend bisschen weiter von der Innenstadt. So aßen wir im Hotel Mittag und genossen auf dem Rooftop Pool schon mal die Aussicht auf den Taj Mahal.

Am nächsten Tag war es soweit. Pünktlich zu unserem vier jährigen Jubiläum klingelte kurz nach 4 Uhr der Wecker. Es war noch ziemlich dunkel und wir warteten noch ein wenig, bevor wir uns auf den Weg zum Taj Mahal machten. Wird ja jedes Jahr dann besser mit dem Aufstehen .

Das Gelände sollte eigentlich um 6 Uhr öffnen, oft stehen aber anscheinend die Leute aber schon Schlange, so dass wir zeitig da sein wollten. Zuerst bisschen verunsichert, ob wir richtig sind, weil keine Touristen da waren, kauften wir die Tickets (Eintritt 1´000 INR p.P. / ca. 13,20 EUR). Der Eintritt ist nach den letzten Angaben wieder teurer geworden.
Wir wurden durch geschickt, gingen durch die ziemlich strengen Sicherheitskontrollen und konnten dann schon um kurz nach halb sechs ins Gelände rein. Sie haben wohl schon ziemlich viel früher aufgemacht, denn drin war schon einiges los.

Wir liefen durch das östliche Tor zum Haupttor… und da stand er. Einfach nur WOW. Man sieht viele Bilder, aber dieses Gebäude ist einfach massiv. Wunderschön in der durch den Smog aufgehenden Sonne.

Wir ließen das Haupttor hinter uns und liefen auf die linke Seite zu einer der Moscheen. Von hier hatte man Sicht auf den Taj Mahal mit der Sonne. Einfach nur wunderschön. Wir genossen diesen Anblick und konnten und kaum satt sehen.

Es ist wunderschön, doch nach gut zwei Stunden haben wir dann alles gesehen. Im Taj Mahal drin sind keine Fotos erlaubt. Aber auch hier, wie im Humayun Mausoleum, stehen lediglich Gräber. Hier sind es nur die zwei der beiden Liebenden. Rundherum alles wunderschön verziert, aber sonst leerer Raum.

Voller Glück und mit schönen Erinnerungen liefen wir zum Hotel zurück und genossen das Frühstücksbuffet. Immer mehr Leute kamen und man sah, dass alle vor dem Essen da waren, da viele Fotos angeschaut wurden .

Damit wir nicht nur am Hotel Pool waren, entschlossen wir, dass wir noch in die Stadt fahren und uns was anschauen. Wirklich viel gibt es in Agra nicht, so fuhren wir mit einem Tuktuk in die Innenstadt. Bei einer “Shopping Mall” hielt er an und wir dachten wir schauen mal rein. Naja, eigentlich waren nur zwei Klamottenläden drin. Diese dafür prall gefüllt mit westlichen Marken, aber ohne Kunden. Weil wir fast die einzigen waren, hatten wir immer eine Traube von etwa drei bis vier Verkäufern hinter uns. Wir wollten nicht wirklich was kaufen, also machten wir uns auf die Suche nach dem Foodcourt zum Mittagessen. Dieser bestand aus einem McDonalds, wo wir dann tatsächlich was gegessen haben. Schmeckte sogar bisschen anders, indisch halt .

Da es sonst nicht viel zu tun gab, genossen wir den Nachmittag und den ganzen nächsten Tag am Pool bei schönem Nichtstun.

Delhi zum Abschluss

Da unsere Züge etwa sechs Wochen vor der Reise nach Indien aufgrund Missverständnissen storniert wurden, haben wir die Stadt Varanasi vom Plan gestrichen und wollten direkt nach Delhi zurück. Leider gab es keine Züge mehr, also buchten wir einen Fahrer.
Dieser stand am abgemachten Tag auch pünktlich beim Hotel und es ging los nach Delhi, wo wir noch eine letzte Nacht in Indien verbrachten. Obwohl die Züge relativ entspannt waren, freuten wir uns auf eine schöne und ruhige Fahrt. Jedoch schon nach etwa fünf Minuten meinte Sebastian, dass der Fahrer etwas müde scheine.
Die Straße zwischen Delhi und Agra ist wegen dem Taj Mahal gut ausgebaut und es gibt sogar eine Autobahn. Da man hier aber immer wieder Mautgebühren bezahlen muss und diese sich wohl nicht viele Leute leisten können, waren die Straßen leer. Dies machte es dem müden Fahrer nicht wirklich einfacher. Wir baten ihn Musik laufen zu lassen und versuchten ihn durch laute Gespräche wach zu halten. Er meinte nur, dass er heute schon eine Fahrt hatte, aber soweit alles “gut” war. Leicht verspannt saßen wir hinten und hofften heil zum Hotel zu kommen. Nach vier Stunden Fahrt und mit zwei Pausen schafften wir es dann doch unfallfrei nach Delhi. Wir waren froh, als wir aus dem Auto steigen konnten. Waren unsere Zugfahrten doch bisschen entspannter gewesen.

Wir haben uns ein Hotel eher Richtung Flughafen ausgesucht und waren somit gar nicht mehr in der Stadt, da wir in den ersten Tagen schon alles gesehen haben und es einfach wieder unfassbar heiß war.

Am nächsten Tag ging es dann in der Früh zum Flughafen. Da wir wegen dem sonst starken Verkehr genug Reserve eingeplant hatten, dieser an dem Tag zum Glück nur mäßig war, waren wir sehr früh am Flughafen.
Der Flughafen ist nicht klein und wir schlenderten durch die endlos vielen Shops. So war auch noch genug Zeit um mir eine neue Brille auszusuchen, da die erst kürzlich gekaufte schon einen Sprung im Rahmen hatte und nur durch Klebeband hielt. Dies ist nun Brille Nr. 3, nachdem ich also schon zwei kaputt gemacht und Sebastians Reserve Brille in Rio im Meer versenkt habe. Hoffe sie hält nun ein bisschen.

Die Zeit in (Nord-)Indien war auf jeden Fall sehr interessant gewesen und wir haben definitiv vieles gesehen. Diese ganze Armut und so große Schere zwischen Arm und Reich hat uns auf jeden Fall zum Nachdenken gebracht.

Tipps und Empfehlungen Indien

– Uber funktioniert soweit ganz gut, man sollte aber gut drauf achten, wo der Uber Fahrer durchfährt und ob der die Fahrt am Schluss auch beendet.
– Die Luftverschmutzung ist sehr hoch, es empfiehlt sich einen Mundschutz zu tragen.
– Generell am besten ein paar alte Socken dabei haben, da man in den Moscheen, Tempeln etc. immer barfuß sein muss und der Boden schon mal ganz schön heiß und schmutzig sein kann.
– Das Hotel in Delhi am besten eher in Neu Delhi aussuchen. Alt Delhi ist schön für einen Besuch, jedoch sagten uns viele, nicht so sicher (war auch unsere Erfahrung).
– Der Taj Mahal ist natürlich die Sehenswürdigkeit, nicht weniger beeindruckend ist jedoch das Humayun-Mausoleum in Delhi.
– Geduldig sein, wenn man zum Fotografieren hinhalten muss, die Inder freuen sich sehr drüber.
– Zugfahrten sind ein Abendteuer, sehr preiswert auch in der Klasse mit Klima und ein kleines Abendteuer wert.
– Man kann sich in einer Stadt einen Fahrer nehmen, sollte aber vorab genau klären, was genau besichtigt, bzw. gemacht werden soll, sofern man schon einen Plan hat. Man wird so oder so gerne zu Verkaufsmärkten etc. gefahren.
– Generell vorsichtig sein mit Guides, die einen bei den Sehenswürdigkeiten ansprechen.
– In Jaipur ist der Königspalast auf jeden Fall einen Besuch wert und wenn möglich die große Tour machen.
– In Agra können wir das Radisson Blue auf jeden Fall empfehlen. Preislich war es gar nicht so teuer und die Lage und Nähe zum Taj Mahal einfach perfekt. Das Essen unschlagbar.
– Keine Stative im Gelände des Taj Mahal erlaubt.

Mampf-Mafia-Challenge

Von ganz lieben Freunden () haben wir bei unserem Abschlussfest ein bereits teilweise vorausgefülltes Reisetagebuch erhalten. Darin enthalten ist für jedes geplant zu besuchendes Land eine Aufgabe, die wir hier jeweils kurz mit dokumentieren werden.

Die Aufgabe für Indien lautete: „Küsse eine Kuh (muss nicht mit Zunge sein)“.

Da es in Indien verboten oder sehr ungern gesehen wird, Kühe zu berühren und wir nicht in einem indischen Knast landen wollten, gab es zumindest ein Kuh-Selfie.

Next Stop: Nepal

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